Bericht von Ruedi Brassel, Landrat
Landratssitzung vom 11.02.2010
Auch der Landrat beschäftigt sich bisweilen mit sogenannt höheren Gütern - sprich mit der Kultur. Allerdings tut er sich eher schwer damit.
So ist im letzten Herbst der Entwurf eines Kulturgesetzes an die Regierung zurückgewiesen worden. Bevor ein solches Förderungsgesetz erlassen werde - so wurde gefordert -müsse in einem Leitbild umrissen werden, um was für eine Kultur es geht.
Während der Gesetzesentwurf für das Kulturschaffen bewusst keine Vorgaben machen wollte, sah das eine landrätliche Mehrheit anders. Die Kultur lässt sich aber nicht einfach vorschreiben, was sie soll und was nicht. Und die Kulturschaffenden erst recht nicht. Doch das focht die bürgerlichen Fraktionen im Landrat nicht an. In einer gemeinsamen Motion, die an der letzten Landratssitzung behandelt wurde, wurde gefordert, dass das Baselbiet eine ländliche Kultur brauche, die der Identitätspflege des Baselbiets zu dienen habe. Und diese Identität grenze sich ab gegenüber der städtischen Kultur. Eine Mehrheit des Landrats brachte es denn auch fertig, diese Motion zu überweisen.
Dies hinterlässt mich einigermassen ratlos. Wie ist denn das mit der ländlichen Kultur? Gehört das von mir verfasste Theaterstück Der dritte August dazu oder nicht? Ich könnte es nicht sagen. Hat ein Jodlerchor in der Stadt nichts mehr verloren? Oder müssen wir den Schmittiplatz umpflügen, damit in Pratteln nur noch ländliche Kultur gedeihen kann? So geht es nicht. Die Kulturpolitik muss für die Kultur Freiraum schaffen und die Vielfalt unseres Kantons und die Zusammenarbeit mit dem städtischen Zentrum als Chance verstehen. Wir wollen ein Kulturland sein und keine staatlich verordnete Landkultur oder Identitätskultur. Schon gar nicht eine, die bloss auf Abgrenzung bedacht ist.
Ruedi Brassel




