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Kopf des Monats März: Werner Fiechter

So kennt man Werner Fiechter: erzählend, debattierend. Dabei ist im Laufe der Zeit das Erzählen vielleicht etwas in den Vordergrund gerückt, die Freude und Lust am Diskutieren hat er aber nicht verloren. Und: Werner ist nicht beim Reden stehen geblieben, er hat auch einiges gemacht.

Werner Fiechter wurde 1937 in Böckten geboren und zog mit seiner Familie neun Jahre später nach Rickenbach. Dort ist er heute noch zu Hause. "Wie langweilig", möchte man sagen. "Ganz und gar nicht, im Gegenteil", zu diesem Schluss kommt, wer Werner kennen gelernt hat. Im Folgenden einige Stichworte aus seinem Leben.

Familie: 1964 heiratet er Erika Wicky (aus Rickenbach), die beiden haben eine Tochter und einen Sohn, wohnen schon bald in ihrem eigenen Haus in Rickenbach. Heute sind sie auch Grosseltern.

Beruf: Lehre als Mechaniker, Weiterbildung zum Techniker/Konstrukteur am Abendtechnikum in Zürich. Anstellung bei Schindler AG in Pratteln. Werner wird Lehrlingsausbildner, "wechselt" zu ABB (die Firma wechselt den Besitzer) und betreut in der Aufbauphase das ABB Lernzentrum in Pratteln. 2000 geht Werner in Pension.

Politische "Sturm- und Drangperiode": 1953 nimmt Werner an einem Jugendlager in Deutschland teil. Hauptthema war die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Die hitzigen Diskussionen wecken Werners politisches Interesse. "Die "Polittaufe" habe ich in der ehemaligen Metallvorlehre bei meinem damaligen Lehrer und späteren Freund und Mentor Hermann Pfister erhalten."
Während seiner Zeit in Zürich besuchte er regelmässig politische Diskussionszirkel: Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Marxisten, Trotzkisten, Anarchisten und "was es so alles gab" diskutierten und stritten über alles. Und Werner war vom Politvirus endgültig infiziert. Zu jener Zeit fühlte er sich politisch in Zürich beheimatet, da sein Engagement an Ostermärschen, gegen die atomare Bewaffnung der Schweiz und gegen den Krieg der USA in Vietnam bei vielen Oberbaselbieter Sozialdemokraten auf wenig Verständnis stiess.

Lokalpolitik: Für Werner war (und ist) klar: Dort wo ich lebe, will ich mich politisch engagieren. In Rickenbach war er nicht ein ganz Einheimischer und sein Einsatz wurde nicht von allen geschätzt. (Neider und Profilierungssüchtige gibt es überall.) Zusammen mit Freunden gründete er 1968 einen Turnverein (vorerst noch ohne Turnhalle). Und 1970 konnte der Kindergarten eröffnet werden. Auch hier war Werner an vorderster Front beteiligt. Gemeinderat und Frauenverein hatten gar keine Freude an dieser Initiative und Erika Fiechter musste auch einiges einstecken, so im Sinne von : "Richtige und arbeitsame Mütter schicken ihre Kinder nicht in einen Kindergarten."
1979 wurde Werner Gemeinderat und blieb bis 2000 in der "Dorfregierung", die letzten acht Jahre als Präsident. Es gab viel zu tun: Infrastruktur auf Vordermann bringen, Erschliessung von neuem Bauland, Feldregulierung, Gemeindezentrum. Er sagt: "Es war eine aufregende und interessante Zeit mit vielen Aufs und Abs." Eine für die Entwicklung des Dorfes nicht ganz untypische Episode ist der Farbenkrieg während dem Bau des Gemeindezentrums (1985/86). Am besten lässt man sich die Geschichte von Werner selbst erzählen  hier würde der Platz nicht ausreichen.

Heute kommen Tätigkeiten zum Zug, die lange Zeit aus Zeitmangel zu kurz kamen: Reisen, Lesen, Velo- und Skifahren. Und auch immer wieder ein bisschen Politik.

Bilder aus Werners Leben:

Wer sitzt wohl in dem Käfer mit Schweizer Kontrollschildern, der im Jahre 1961 irgendwo in Ostanatolien an einem Minarett vorbeifährt?

Es ist dieser freundliche junge Mann, der zusammen mit einem Freund eine halbjährige Reise durch verschiedene Länder und Gesellschaftsformen, Religionen und Politsysteme macht. Der Weg führte über Skandinavien und die Sowjetunion in die Türkei nach Syrien und Israel.

Werner: Ich bin eben immer wieder etwas aus dem Rahmen gefallen. Anders gesagt: Werner lässt sich nicht in einen vorgegebenen Rahmen pressen, auch nicht an seinem sechzigsten Geburtstag.

 

Erika und Werner.

Natürlich ist Werner nicht 50 Jahre lang Mitglied in der Unia gewesen, diese Gewerkschaft gibt es noch gar nicht so lange. Als gelernter Mechaniker trat Werner 1959 der Gewerkschaft SMUV bei. (Für die jüngeren Leserinnen und Leser: SMUV heisst "Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband". Die Unia entstand 2004 aus der Fusion der Gewerkschaften SMUV, GBI, VHTL und unia.)

Die Katze lässt das Mausen nicht: Eine von Werner Fiechter initiierte Genossenschaft kauft 2005 dieses 150 Jahre alte Haus an der Hauptstrasse in Rickenbach, bewahrt es vor dem Abbruch und ....

 

... lässt es fachgerecht umbauen. Heute enthält es zehn moderne, altersgerechte Wohnungen.

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