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Rezept des Monats Mai: Brot

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle Martin Rüegg als Kopf des Monats Mai vorgestellt. Es folgten Lars, Nelly, Chrigi, Dölfi, Reto, Roger, Roli, Regina, Sandra, Werner und ein Fragezeichen (SektionspräsidentIn). In der neuen Reihe "...des Monats" geht es nicht um Personen, sondern ums Essen. Aber vor allem geht es um Politik.

Vor mehr als 40 Jahren: Im verrauchten Nebenzimmer einer Quartierbeiz in einer Baselbieter Industriegemeinde sitzen rund ein Dutzend Männer (vielleicht ist auch eine Frau dabei) und besprechen die bevorstehenden Wahlen in die Schulpflege. Als jemand meint, in der Schulpflege gehe es ja nicht um Politik, sondern um die Sache, erhält er zur Antwort: "Nichts ist unpolitisch, ein Stück Brot ist Politik."

Wir sind an einer Sektionsversammlung der SP. Die Teilnehmer sind Männer mittleren Alters, die bei der SBB, der PTT, beim VSK, in einer Chemischen oder bei der Gemeinde arbeiten. Der junge Student, der auch dabei ist, kommt sich zuerst ein wenig verloren vor. Das dauert allerdings nicht lange. Er sollte noch oft in Nebenzimmern von Quartierbeizen an Sitzungen teilnehmen. Zum Glück wurden die Zimmer mit der Zeit immer weniger verraucht, zum Glück gesellten sich zu den Männern immer mehr Frauen. Auch sonst veränderte sich einiges. Der Satz "Nichts ist unpolitisch, ein Stück Brot ist Politik." blieb dem Studenten haften, auch als er längst kein Student mehr war und er ihn in leicht abgewandelter Form auch in gescheiten Büchern hatte lesen können.
Klar: Nichts ist unpolitisch. Also werden auch die kommenden zwölf Rezepte politisch sein.

Hinweis: Die Rezepte stammen nicht von einem Profi, sie sind abgeschrieben, selbst erfunden, abgewandelt, überliefert, aber alle sind ausprobiert und funktionieren. Kritik, Kommentare, Hinweise, weiterführende Informationen werden via spgelterkinden@gmx.ch gerne entgegengenommen.

Doch nun zum Rezept:

Brot ist nicht nur ein (meist) wertvolles Lebensmittel mit hohem Symbolgehalt, es ist auch einfach und auf hundert verschiedene Arten herzustellen. Wir können das Mehl variieren, die Flüssigkeiten, wir können Speck, Oliven, Gewürze aller Art beigeben.
Und das Kneten des Teiges ist durchaus lustvoll und hat eine psychohygienische Wirkung. Nach einer Behördensitzung, an welcher der politische Gegner alle Vorschläge mit fadenscheinigen Argumenten gebodigt und die Lösung des Problems auf der langen Bank ein Stück weitergeschoben hat, gibt es kaum etwas Befreienderes, als ein Kilogramm gut gekneteten Brotteig mehrmals mit voller Wucht auf den Tisch zu knallen. Wenn einen gar die politischen Freunde oder Freundinnen geärgert haben, braucht es vielleicht noch einen oder zwei Knaller mehr. Der Qualität des Brotes tut dies keinen Abbruch, im Gegenteil.

Bei mir aktuell sind folgende Zutaten:

500 Gramm Bio-Vierkornmehl (Weizen-Roggen-Hafer-Gerste)
500 Gramm Bio-Weissmehl
ein Würfel Hefe
4 Teelöffel Salz
etwas Leinsamen
1 dl Milch
5 dl Wasser

Ich mische das Mehl und die Leinsamen in einer grossen Schüssel. Die Hefe löse ich mit einer Prise Zucker in wenig Wasser auf und gebe sie ins Mehl. Am Rand verteile ich das Salz, giesse die Flüssigkeit dazu und vermenge alles mit einer Kelle. Darauf knete ich die Masse zu einem schönen Teig und stelle ihn eine Stunde an einen warmen Ort (so vorhanden). Darauf forme ich drei Laibe (in die Länge ziehen und leicht drehen - ergibt eine gute und praktische Form), lege sie auf das Backblech, lasse sie nochmals ruhen und stelle sie einige Minuten an die Kälte (so vorhanden). Der Backofen wird auf 250 Grad vorgeheizt, das Brot eingeschoben, nach einer Viertelstunde reduziere ich die Hitze leicht und nach einer weiteren Viertelstunde sind die Brote fertig gebacken. Und die Freude über die schönen, gut duftenden Brotlaibe ist mit Sicherheit grösser als der Frust über die oben erwähnte Sitzung.

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