SP Sommer 2010
Gelebte Solidarität
Der SP-Sommer war dieses Jahr dem Thema Fair Trade gewidmet. Die Delegation, der SP-Liestal und Umgebung wurde vom Vorstandsmitglied unserer Sektion und Mitarbeiter der Kalabasse, Pierre Bayerdörfer, in der Mission 21 herzlich mit einem Apéro empfangen.
Conrad Gerhardt, Geschäftsführer der Kalabasse GmbH führte uns in seinem Impulsreferat in die Thematik ein. Anhand von Beispielen aus der Keramikproduktion erörterte er die zeitgemässen Anforderungen, die bei fairem Handel berücksichtigt werden sollten. So wird heute nicht mehr nur vom ursprünglichen Hilfswerk-Gedanken ausgegangen, Produkte aus Entwicklungsländern zu importieren und hier zu verkaufen. Vielmehr werden heute Anstrengungen unternommen, in den Ländern die Produktion auf den hiesigen Absatzmarkt auszurichten. Ziel ist es in jedem Fall in der ganzen Wertschöpfungskette faire, d. h. menschenwürdige und existenzsichernde Arbeit zu ermöglichen.
Traditionell werden im „Fair Trade“ Agrarprodukte gehandelt. So stellt der Marktanteil von mittlerweile 52 %mit fair gehandelten Bananen, die zunehmend aus biologischem Anbau stammen, ein grosser Erfolg der Bewegung dar. Ein Evergreen, oder besser Everyellow, ist das Curry-Pulver der Basler Mission (heute Mission 21), das speziell für den schweizerischen Markt produziert wird. Es wird seit 1955 von einer Frauenkooperative in Kerala in Südindien produziert. Neben den gesicherten Arbeitsplätzen wird mit dem Erlös ein Mädchen- und Witwenheim sowie ein Lepraspital mitfinanziert.
Sonja Ribi, Geschäftsführerin des schweizerischen Forums für fairen Handel ‚Swiss Fair Trade’, berichtet über den neuen Verband, in dem sich verschiedene Organisationen und Betriebe des fairen Handels organisieren. Dies sind Handelsbetriebe wie z. B. Claro oder Kalabasse, Hilfswerke wie bspw. Erklärung von Bern oder Helvetas, Labelorganisationen wie bspw. Max Havelar oder Assoziationen wie z. B. Oiko Credit. Das Forum ist Referenzstelle für fairen Handel, vertritt dessen politischen Interessen und bietet eine Plattform für Austausch und Vernetzung. Merkmale des fairen Handels sind im Wesentlichen die Transparenz von Produktion und Vermarktung, langfristige und verlässliche Handelsbeziehungen und die Sicherung von menschenwürdigen und existenzsichernden Arbeitsbedingungen.
In der gemeinsamen Diskussion wurde festgestellt, dass der Transport gerade für die relativ geringen Handelsmengen unverhältnismässig ineffektiv und unökologisch ist. Allerdings muss dazu auch festgehalten werden, dass der Transportfaktor im Vergleich zu anderen Handelswaren immer noch vernachlässigbar ist. Der faire Handel kann die Problemstellungen der Globalisierung nicht lösen. Obwohl es fraglich erscheint, wieso die Keramikproduktion in Langenthal geschlossen und Espressotassen aus Südafrika importiert werden soll.
Der Beitrag der Kommunalpolitik sollte sich bei öffentlichen Ausschreibungen so einsetzen, dass diese Fair Trade Produkten und Anbietern eine Chance geben. Der politische Druck kann auch eingesetzt werden, indem die öffentliche Verwaltung, Kantinen, Schulküchen, Pausenräume auch Agrarprodukte des fairen Handels berücksichtigen müssen. Hier braucht es offenbar beharrliche Bemühungen der Bewusstseinsbildung in breiten Gesellschaftsschichten. Wer, wenn nicht die SP steht für eine faire Wirtschaftsordnung ein! – Bleiben wir dran!
Die Genossen und Genossinnen genossen anschliessend das ausgezeichnete Menü in angenehmer Atmosphäre und angeregten Diskussionen im Restaurant der Mission 21. Herzlichen Dank an Pierre Bayerdörfer für die Organisation des diesjährigen SP-Sommers




