Letzte Woche diskutierten wir im Landrat über den Familienbericht, welcher vom Regierungsrat vorgelegt wurde. Der Bericht wurde im September 2017 durch ein Postulat von Pia Fankhauser (SP) gefordert. Es sollten Aspekte wie Haushaltstrukturen und Familienformen, finanzielle Situation der Familien, Erwerbsarbeit, Haus- und Familienarbeit, familienergänzende Kinderbetreuung, die Lebenssituation von Familien und auch ein Vergleich unter den Kantonen aufgeführt werden.

Den gesamten Bericht können Sie unter www.familienbericht.bl.ch nachlesen. Die Analysen sind teils erschreckend und mehr als ernüchternd.

Ein Ergebnis des am letzten Donnerstag behandelten Berichts ist, dass die Höhe des frei verfügbaren Einkommens von Familien im Kanton Basel-Landschaft schweizweit an viertletzter Stelle liegt. Für Familien ist es im nationalen Vergleich in finanzieller Hinsicht nicht attraktiv, im Kanton Basel-Landschaft zu wohnen. Die Kinderbetreuungskosten bei uns sind sehr hoch.

Leider steigt die absolute Zahl von Familien - und damit auch von Kindern - in der Sozialhilfe seit 2006. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, wenn sie weitestgehend oder ausschliesslich auf Drittbetreuung angewiesen sind und in einem Niedriglohnsegment arbeiten. Ebenfalls wurde festgestellt, dass Familien mit mehr als 2 Kinder einem grösseres Armutsrisiko ausgesetzt sind. Es sind sich wohl die allermeisten Paare bewusst, wenn sie eine Familie gründen, dass Kinder etwas kosten. Die Gründung einer Familie bedeutet den Verzicht auf gewisse Dinge, die man gerne in Kauf nimmt. Aber ein Armutsrisiko darf die Familie nicht sein! Hier ist die Politik gefordert.

Nehmen wir die Krankenkassen-Prämien, die jeden Monat das Familien-Budget schwer belasten. Höhere Prämienverbilligungen könnten Entlastung bringen. Die Förderung von genossenschaftlichem Wohnungsbau wäre ein umsetzbares Mittel gegen hohe Mietzinsen. Eine bezahlbare, gute Kinderbetreuung ist ganz enorm wichtig. Die Kosten, welche die Eltern zu tragen haben, müssen unbedingt sinken. Im Erwerbsleben bleiben zu können oder nach einer Kinderpause wieder einer Arbeit ausser Haus nachzugehen und nicht gleich den Lohn wieder für die Betreuungskosten ausgeben zu müssen, wäre eine grosse Erleichterung für Viele.

Ich bin froh, haben wir im Jahr 2017 diesen Bericht gegen den Widerstand der Ratsrechten in Auftrag gegeben. Er zeigt uns auf, wo wir uns in unserem Kanton für Familien mehr einsetzen müssen.

22. Jan 2021