Spitalpolitik: Zu viele offene Fragen

Die Gesundheitsdirektoren beider Basel haben heute bekannt gegeben, dass das Kantons-spital Baselland (KSBL) und das Universitätsspital Basel (USB) in einer gemeinsamen Spital-gruppe zusammengeschlossen werden sollen. Die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht. Allerdings wirft die bisherige Information durch die beiden Regierungsräte mehr Fragen auf als dass sie Antworten gibt.

Die SP Baselland stellt diesbezüglich folgende Fragen:

Kosten

  • Beinhaltet die neue Spitalgruppe die Grundversorgung für die ganze Region inklusive  universitäre Medizin? Wo werden so Kosten eingespart? Bekanntlich hat das USB eine höhere Baserate als das KSBL. Wie wird verhindert, dass die Baserate auch in BL steigt?

Grundversorgung

  • Wäre es nicht sinnvoller, die Grundversorgung zusammenzulegen und gesamtschweizerisch dafür zu sorgen, dass die universitäre Medizin national zusammengelegt wird?

Bruderholz

  • Welchen Sinn macht eine Tagesklinik auf dem Bruderholz? Was geschieht mit Patient/innen, bei denen sich nach dem Eingriff herausstellt, dass sie länger hospitalisiert werden müssen. Tagesklinken, angeschlossen an die Grundversorgungsspitäler wären sicher sinnvoller als die Zentralisation an einem Ort in der Region.
  • Frauenklinik: Wenn das Bruderholzspital als reine Tagesklinik funktionieren sollte, wo bleiben die Geburtshilfe und die Gynäkologie?
  • Wie gross ist die Akzeptanz einer Tagesklinik auf dem Bruderholz? Ist es realistisch anzunehmen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner beider Halbkantone für kleine Eingriffe ins Bruderholz gehen oder besteht die Gefahr, dass diese Eingriffe dann vermehrt im näher gelegenen Privatspital vorgenommen werden?

Höhere Krankenkassenprämien

  • Die ambulanten Spitalkosten entlasten zwar auf dem Papier die Kantone. Es besteht allerdings die Gefahr von Prämienerhöhungen der Krankenkassen, die diese Leistungen bezahlen müssen. Steigende Prämien belasten vor allem kleinere und mittlere Einkommen. Die schlechten Bedingungen in der Prämienverbilligung im Kanton Baselland belasten also wieder einmal den unteren und mittleren Mittelstand.

Geriatrie

  • Was geschieht mit der Geriatrie? Wäre es nicht eine Chance, ein gemeinsames Geriatriespital noch einmal zu thematisieren? Oder sind die Weichen in Basel-Stadt schon so gestellt, dass auf gefallene Entscheide nicht zurückgekommen werden kann?

Psychiatrie

  • Weshalb ist bei der ganzen Diskussion keine Rede von der Psychiatrie? Tatsache ist, dass immer mehr Menschen mit psychischen Problemen auch somatische Beschwerden haben. Diese Thematik wird angesichts der zunehmenden Multimorbidität immer wichtiger. Hier müssen Lösungen gefunden werden.

Bettenabbau

  • In Bezug auf den nötigen Bettenabbau ist nur vom Rückbau des Bruderholzspitals die Rede. Was geschieht mit dem Klinikum 2 in Basel? Wird da munter weiter geplant?
  • Was bedeutet die Aussage: „die Qualität über alle Standorte zu verbessern“? Heisst das dass die bisherige Qualität nicht genügte? Mit welchen Mitteln will man die Qualität verbessern?

Eigentümerstrategie

  • Wie werden andere Angebote der medizinischen Versorgung wie z.B. Pflegeheime und ambulante Leistungserbringer in den beiden Kantonen miteinbezogen?
  • Wäre es nicht sinnvoller, zuerst eine gemeinsame Eigentümerstrategie inklusive politischer Abläufe (welche Kommission hat welche Kompetenzen) zu entwickeln,  bevor über Immobilien entschieden wird?

Die SP Baselland unterstützt eine gemeinsame Spitalversorgung in beiden Kantonen. Sie ist erfreut, dass auch bürgerliche Politiker erkennen, dass nur ein Zusammengehen der beiden Kantone eine gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung garantiert. Nach zahlreichen Fehlleistungen der Baselbieter Regierung (teure Bruderholzspitalplanung, Scheitern eines gemeinsamen Geriatriespitals usw.) ist es nun wichtig, dass die gemeinsame Spitalplanung sorgfältig mit Zwischenschritten aufgegleist wird, zu denen die Zustimmung der Parlamente eingeholt werden muss. Wie aus den oben gestellten Fragen ersichtlich ist, sind weitere Themen in die ganze Planung einzubeziehen, welche die beiden Gesundheitsdirektoren bisher nicht beachtet haben. Eine gute Planung darf keine Tabus kennen. Es kann nicht sein, dass das Bruderholzspital zurückgebaut wird, alles andere aber unverändert belassen wird. Wir erwarten eine gemeinsame Spitalplanung, in die alle Stakeholders miteinbezogen werden und die die Bedürfnisse der ganzen Region aufnimmt.

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